Die Winterlinden in Schöppingen

Schutz für Gläubige und Kneipengäste

Bei vielen Baumriesen im Kreis Borken können auch Experten das Alter nur schwer bestimmen. Anders ist das bei der imposanten Winterlinde an der Kapelle auf dem Schöppinger Berg.

Im Jahr 1718, als die Kapelle gebaut wurde, pflanzte die Pfarrgemeinde St. Brictius rund herum um den kleinen Kirchenbau vier junge Linden. Eine ist bis heute erhalten und hat es in die Liste der Naturdenkmäler im Kreis Borken geschafft.

In den Sommermonaten steht der Baum, unter dem die Kapelle Schutz zu suchen scheint, in sattem Grün. Doch auch an der Winterlinde hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen.

Damit die Krone nicht auseinander bricht, hat der Kreis Borken ein Sicherungssystem anbringen lassen. In luftiger Höhe helfen Stahlseile, die Äste zusammenzuhalten.

In fast 300 Jahren haben sich Kapelle und Linde zu einem beliebten Treffpunkt für Gläubige – und in den vergangenen Jahrzehnten auch für Ausflügler und Jogger – entwickelt. Besonders einmal im Jahr, zehn Tage nach Fronleichnam rücken Steinbau und Baumriese in den Mittelpunkt. Dann führt die traditionsreiche Hagelfeierprozession hinauf auf den Berg, und unter dem Blätterdach der Linde findet ein Gottesdienst statt.

Gar nicht weit entfernt vom Schöppinger Berg, an der Brüningmühle, steht eine weitere Winterlinde, die es in die Liste der Naturdenkmäler geschafft hat.

An der L 570, direkt an der Vechte, streckt sie ihre mächtigen Äste in die Höhe. Norbert Stuff vom Kreis Borken schätzt das Alter des Baumes auf rund 300 Jahre. „Damit hat er die durchschnittliche Lebenserwartung einer Winterlinde bereits deutlich übertroffen."

Kindheitserinnerungen verbindet der Vorsitzende des Schöppinger Heimatvereins, Hubert Roosmann, mit dem Baum. Damals, in den 1950er Jahren, florierte die gegenüberliegende Gastwirtschaft noch. „In den Stamm waren etliche Ringe eingelassen, an denen die Besucher ihre Pferde anbanden", berichtet Roosmann. Noch vor Augen hat er den Hengst eines Viehhändlers, der manches Mal unter der Linde auf seinen Herrn wartete.

Mit einem Stammumfang von über 6,50 Metern gehört auch die Linde an der Brüningmühle zu den imposantesten Naturdenkmälern im Kreis. Um sie auf Dauer zu erhalten, ließ der Kreis in den vergangenen Jahren die Krone wiederholt einkürzen.