Die Linden in Wessum

Treffpunkt für Verliebte und Anziehungspunkt für Kinder

Die Linden nahe des Hofes Schulze Buschoff in Wessum überdauern bereits viele Jahrhunderte / Naturdenkmal mit überregionaler Bedeutung.

Ahaus. Schon von weither sind die Linden auf dem Averesch westlich von Wessum zu sehen. Vier Bäume, zwei davon mit stattlichem Umfang, umstehen einen Bildstock. Eine dichte Buchenhecke friedet den Bezirk ein. Häufig geht Maria Schulze Buschoff die wenigen hundert Meter von ihrer Wohnung in Wessum zu den beiden Linden. Dann setzt sie sich auf die Bank, von der der Blick rechts ins Dorf und geradeaus in die weite Landschaft geht, und erinnert sich an die zahlreichen Begebenheiten, die sie mit den Bäumen verbindet. Bis vor wenigen Jahren wohnte sie auf dem traditionsreichen Hof der Familie, zu dem die Linden seit Jahrhunderten gehören. Nach dem Tod ihres Mannes Franz wurde ihr das Haus zu groß, sie zog ins Dorf, in dem sie auch aufgewachsen ist.

„Schon als Kinder haben wir unsere Puppenwagen zu den Linden geschoben“, erinnert sich die 71-Jährige. „Und auch für Verliebte waren sie ein beliebter Treffpunkt.“ Die Geschichte der Bäume, die 1996 zu Naturdenkmalen erklärt wurden, geht zurück bis ins Mittelalter. Bereits in einer Verkaufsurkunde aus dem Jahr 1351 ist von einer Fläche „uppe den esche to Wessem by den hoen Linden“ die Rede. Maria Schulze Buschhoff ist sicher,  dass es sich dabei um die Vorgänger eben der Linden handelt, in deren Schatten heute ein Bildstock aus dem 18. Jahrhundert steht. Norbert Stuff aus dem Fachbereich Natur und Umwelt der Kreisverwaltung schätzt das Alter der Exemplare, die heute an der traditionsreichen Stelle wachsen, auf etwa 250 Jahre. Darauf schließen lässt der Umfang der dicksten Linde von etwa fünf Metern. „Der Umfang steigert sich bei Linden jedes Jahr um etwa zwei Zentimeter“, erklärt der Experte. Zwei Mal im Jahr nimmt der Kreis Borken die Linden in Augenschein, prüft ihren Zustand und veranlasst bei Bedarf Pflegemaßnahmen, wie zum Beispiel das Entfernen von Totholz. In den nächsten Wochen werden Mitarbeiter der Firma Stöteler aus Wüllen wieder  an dem ein oder anderen alten Ast die Säge ansetzen. „Naturdenkmale sind besonders beeindruckende und wie hier auch landschaftsprägende Bäume, Baumgruppen, Quellen oder geologische Funde“, so Stuff.

Der Bildstock im Schatten der Linden ist leichter und eleganter gestaltet als die meisten anderen Exemplare rund um Wessum. Das Sandsteinrelief zeigt die Gottesmutter, die auf ihrem rechten Arm über einem aufgeblühten Lilienstängel das Jesuskind trägt. Ihre Füße stehen auf der von einer Schlange umringten Erdkugel. Einmal im Jahr macht die Wessumer Feldprozession an dem Bildstock Station. „Als wir 1959 von unserer Hochzeitsreise zurückkamen, war das Erste, was zu tun war, die Station für die Prozession herzurichten“, berichtet Maria Schulze Buschoff. Die ganze Familie, Nachbarn und Nachbarskinder waren damals im Einsatz, um Blumenteppiche auszulegen und einen Altar herzurichten. Vor zwei Jahren hat Maria Schulze Buschoff diese Aufgabe an die Landfrauen weitergegeben.

Daheim an der Gartenstraße sammelt Maria Schulze Buschoff zahlreiche Unterlagen zur Geschichte des Hofes Schulze Buschoff und auch zu den alten Linden. So zeigt eine Karte Wessums aus dem Jahr 1671 eine Linde, an der der Handelsweg nach Deventer vorbeiführt. „Sie diente auch als  Versammlungsort“, hat Maria Schulze Buschoff bei ihren Nachforschungen herausgefunden. Eine Karte aus dem Jahr 1754 zeigt die Station „Die hohe Linde“ in einer Reihe mit zwei weiteren Gebetsstationen, die sich bis zur Dorfgrenze anschließen.

Die Geschichte des Hofes Schulze Buschoff selbst geht noch deutlich weiter zurück. Die erste urkundliche Erwähnung des Hofes stammt aus dem Jahr 1240, als Adelheidis von Ahaus auf das Gut zu Gunsten des Klosters Kappenberg verzichtete. Schon 24 Jahre später werden die Schulze Buschoffs allerdings wieder im Gefolge der Herren von Ahaus genannt. Das Gut diente ihnen und später den Bischöfen von Münster als Jagd- und Speicherhof. Als Schulzen waren die Buschoff unter anderem für das Eintreiben von Steuern zuständig, die zu einem großen Teil in Naturalien abgeführt werden mussten.

Maria Schulze Buschoff hofft, dass die Linden auf dem Averesch noch lange ein Anziehungspunkt für Jung und Alt bleiben, von dem sich der Blick auf das geschichtsträchtige Dorf Wessum genießen lässt.